Käserei Warthausen AG


Die Familie Landolt führt die Käserei Warthausen in Schänis Am selben Strang ziehen Unter den grossen Käseproduzenten gehört die Käserei Warthausen AG zu den Kleinen und doch bildet sie die Lebensgrundlage für drei Familien. Text und Bild: Corina Blöchlinger-Dürst, Goldingen Anfangs Schänis, umringt von Wiesland, lenkt ein Gebäudekomplex die Aufmerk-samkeit auf sich. Wohnhäuser, Futtersilos und Schweineställe umringen die kleine Käserei. Einige Gebäude scheinen neu, andere tragen schon viele Jahre auf dem Buckel, Marcel Landolt (67) nickt zustimmend: „Wir haben laufend in unser Unter-nehmen investiert, sei es im Bereich der Käserei oder der Schweinezucht und –mast…und die nächsten Projekte sind auch schon wieder in Planung“. Falsche Entscheidungen waren die Investitionen wohl kaum, bildet die Käserei Warthausen AG heute doch die Lebensgrundlage für drei Familien: Vater Marcel und Mutter He-len (65) Landolt, Sohn Michael (40) und Luzia (37) Landolt mit ihren vier Kindern sowie Sohn Martin (35) und Anita (30) Landolt mit dem jüngsten Spross Adrian (1.5). Ein Stück Familiengeschichte „Der erste von uns auf diesem Land war mein Grossvater, er führte noch einen
Landwirtschaftsbetrieb. Dort wo heute die Käserei steht, unterhielt er eine Milchan-nahmestelle. Damals kamen die Landwirte noch mit Rückentasen, teils lieferten sie nur sieben Liter ab“, erinnert sich der Geschäftsführer Marcel Landolt. Sein Vater war es, der 1954 eine kleine Käserei in Betrieb nahm. 28 Jahre später begann Marcel Landolt mit der Tilsiterproduktion. Als sich abzeichnete, dass auch die nächste Generation mit Michael Landolt in die Käsereistiefel stehen möchte, wurde 1992 in eine neue, computerisierte Käserei investiert. Die grosse Käsepresse war damals noch ein Prototyp, eine der ersten in der Region. Noch heute werden darin täglich bis zu 50 Laibe in Form gebracht. Zwei Jahre später übernahm der gelernte Käser Michael Landolt das Zepter: „Als ich gestartet habe, bezogen wir die Milch von 16 Landwirten aus der Region. Heute sind es noch 7, bei einer jährlichen Milch-menge ca. 750‘000 Kilogramm“. Es folgte der Bau eines Schweinemaststalles, 1997 wurde ein neuer Käsekeller fällig, 2004 stieg Martin Landolt mit ins Geschäft ein und 2011 konnte ein neuer Zuchtstall bezogen werden. Vom Abferkeln bis zur Mast Ca. 80 Muttersauen unterliegen der Obhut von Martin Landolt. Gedeckt wird mit zwei Premo-Ebern oder künstlich. Die abgesetzten Ferkel werden in Gruppen mit bis 85 Tieren gehalten. Bodenheizung und isolierte Ferkelkisten sorgen für wohlige Wärme in der Jagerkammer. Mit 25 Kilogramm Lebendgewicht werden die Jager in den Maststall gezügelt. Jährlich werden so etwa 2000 Mastschweine verkauft. „Wir mästen nur die eigenen Tiere, und unsere Remonten kaufen wir von zwei Partner-betrieben, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. So versuchen wir, das Risiko von eingeschleppten Krankheiten möglichst gering zu halten“, erklärt Martin Landolt. In der eigenen Mühle werden die verschiedenen Futterkomponenten für Jager, Mast- und Zuchtschweine selbst gemischt. Verfüttert wird natürlich auch die Käserei eigene Schotte und Brotabfälle von einer Grossbäckerei. In der Käserei Während morgens Martin Landolt bei den Schweinen mistet und die Fütterung überprüft, nimmt sein Bruder Michael Landolt die Milch der Landwirte entgegen. „Eigentlich nehme ich bis 7.15 Uhr die Milch an, die Letzte fliesst aber meist erst um halb acht ins Kessi“, schmunzelt er und überprüft das Thermometer. Heute werden etwa 2000 Kilogramm Milch zu 42 Laiben Tilsiter verkäst. Das nötige Lab und die Kulturen werden selbst angesetzt. Desweiteren werden zwei Messbecher Joghurt-kultur der Milch zugeführt. Neben Tilsiter wird in der Käserei Warthausen auch die eigene Marke „Linthchäs“ produziert. Die Möglichkeit dazu ergab sich vor 17 Jahren, als die Familie Landolt einen zusätzlichen Milchlieferanten gewinnen konnte. Das Tilsiterkontingent konnte nicht aufgestockt werden, also kreierte man den Linth-chäs. Diese Spezialität gibt es mild nach 2 bis 3 Monaten Lagerung im Käsekeller oder rezent nach 4 bis 6 Monaten. Der Linthchäs kommt nicht nur bei den zahlrei-chen Kunden gut an. An der 12. internationalen Käsiade in Hopfgarten (Österreich) wurde der Käse sogar mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Top Milchqualität für top Käse Auch der Rohmilch-Tilsiter Switzerland der Familie Landolt brachte an derselben Prämierung Gold nach Hause. Überhaupt dürfen sich die Auszeichnungen von Käser Michael Landolt sehen lassen. Seit 2002 gewann er 4 mal Gold und je einmal Silber und Bronze mit seinen sprichwörtlich goldenen Käselaiben. 2012 wurde er sogar als Meister-Tilsiter ausgezeichnet. Diese Auszeichnung erhalten nur rote Til-siter Switzerland von hervorragender Qualität. Unter den fünf besten kürt schliess-lich das Publikum an der Olma, welcher dem Titel Meister-Tilsiter würdig ist. „Wohl das wichtigste für einen guten Käse ist die Milchqualität, die muss einfach stimmen. Dann kommt die Freude an der Arbeit hinzu“, meint Michael Landolt, ergänzt aber noch: „Und vielleicht haben wir noch den Vorteil, dass wir uns auf zwei Käsesorten beschränken. Wir können uns wirklich auf die konzentrieren.“ Tatsächlich werden neben Tilsiter, Linthchäs und einigen Laiben Linthchäsraclette keine weiteren Pro-dukte hergestellt. Dies hängt auch damit zusammen, dass in der Gemeinde Schänis noch fünf Käsereien in Betrieb sind. So möchte man beispielsweise nicht die Dorf-käsi mit Joghurt- oder Butterprodukten konkurrenzieren. Zentrale Schaltstelle Das stattliche Wohnhaus von Marcel und Helen
Landolt bildet die zentrale Schalt-stelle des Betriebes. Seit kurzem wohnen dort auch Martin und Anita Landolt. Es herrscht ein stetes Kommen und Gehen, worüber Anita Landolt nur lacht: „Das ein und aus bin ich mir schon von meinem Elternhaus gewohnt. Wenn es dann doch mal zu viel wird, kann ich immer noch die Stubentüre schliessen.“ anital Landolt hilft seit ihrer Heirat im letzten Sommer auch im Büro der Käserei Warthausen AG mit. Hier laufen die Fäden der Betriebsstandbeine Schweinezucht und –mast sowie Käserei zusammen. Daneben arbeitet Anita Landolt etwa einen Tag pro Woche auswärts im Service: „Es ist ein guter Ausgleich zu Betrieb, Haushalt und Büro. So sieht man wieder neue Gesichter und lernt andere Leute kennen“. Den Jungen Platz machen Tapetenwechsel gönnen sich die einzelnen Paare jeweils an ihren freien Wochen-enden. Während es Michael Landolt mit seiner Familie in Richtung Walenstadter-berg zieht, wird er von Martin Landolt in der Käserei abgelöst. Marcel Landolt hinge-gen sieht man selten mehr am Käsekessi stehen. „Man soll den Jungen Platz ma-chen, wenn es Zeit dazu ist. Das musste ich aber auch zuerst lernen“, schmunzelt er.